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Kundenfahrzeuge - Der 63er Faltdachkäfer von Steffen Reinhard28.02.2016 17:37:00

Der 63er Faltdachkäfer von Steffen Reinhard

Für einige von uns fing der automobile Werdegang in den 80er Jahren wie selbstverständlich mit einem alten VW Käfer an. Meistens handelte es sich dabei um 20 Jahre alte 5.Hand-Rest-TÜV Autos, billig zu haben und damals die idealen Anfängerautos. Man konnte nicht viel falsch machen, ein paar Monate Fahrspaß und dann kam der nächste Wagen dran.

Nun gab und gibt es auch auch Menschen wie Steffen Reinhard, denen Werte wichtig sind und die schon sehr schnell gegen den luftgekühlten Virus keinen Widerstand mehr leisteten. Steffens schicksalhafte Begegnung in Sachen Automobil fand 1989 statt.

An einem Laternenpfahl, wo ein 63er Käfer sicherheitshalber gegen Wegrollen geparkt war, pragmatischer Ersatz für defekte Bremsen.

Es handelte sich ,genau gesagt, um einen 63er Dickholmer Käfer mit originalem Golde Faltschiebedach, lackiert in anthrazit L469. Optisch entsprach dieser Käfer auch den 26 Jahren, die er zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich hatte. Und ohne Steffen wären wohl auch keine weiteren mehr hinzu gekommen.

Also mal im Vorbeigehen einen Zettel mit Kaufabsicht hinter den Scheibenwischer geklemmt und dann den Käfer fast schon vergessen. Nach 6 Monaten kam dann überraschend ein Anruf, dass besagter Käfer zu haben wäre.

So wechselten 350 DM den Besitzer und Steffen startete fortan unwissentlich eine lange Käfer-Karriere.

Zunächst galt es jedoch, den gröbsten Wartungsstau zu beheben, neuen TÜV zu bekommen und einfach nur mobil zu sein. Die Zufriedenheit mit dem fahrbaren Untersatz wuchs so von Tag zu Tag bis zum Jahr 1991. Da drohte schon das endgültige Ende des Käfers, nachdem bei einem unverschuldeten Unfall eigentlich ein wirtschaftlicher Totalschaden vorlag. Ein seitlicher Streifschuss hatte den Käfer übelst erwischt.

Ein anderer Wagen kam jedoch für Steffen nicht infrage, also wurde nun etwas aufwändiger instand gesetzt.

Diverse Blechteile, darunter auch ein komplettes Seitenteil wurden zur Rettung des 63er benötigt. Und wenn man schon mal dabei war,könnte auch etwas mehr Leistung nicht schaden.

So gab es neben der Instandsetzung des Häuschens das damals übliche Einsteigertuning in Form einer Automatikbodenplatte, einer verstellbaren Vorderachse, sowie einem 1600er Motor mit 40er Weber Doppelvergasern.

Damit war man anfangs der 90er Jahre szenetechnisch vorne mit dabei, dank Schräglenkern und nun fast der doppelten Motorleistung ergab sich ein aufregend neues Fahrgefühl.

Zudem wechselte der Käfer seine Farbe von anthrazit auf indigoblau, eine Originalfarbe von 1959!

Derart gerüstet ging es unbeschwert durch die 90er Jahre, der 63er begleitete Steffen zum Abi, Studium und Lehramt, bewies seine Qualitäten in mehreren Urlaubsreisen, die bis ins ferne Schottland gingen. Er meisterte seinen Alltag und war 2004 dann auch das angemessene Hochzeitsauto für Steffen und seine Stefanie. Eine völlig normale harmonische Mensch - Käfer - Beziehung eben.

 

Im Jahr 2008 begann für den Käfer dann sein 2. Leben. Steffen konnte den fortschreitenden Rostbefall nicht mehr länger ignorieren.

Nachdem mittlerweile 2 weitere Käfer, ein 55er Faltdach Ovali und Steffis 69er 1300er zum Fuhrpark gehörten, war der Entschluss gefasst, den 63er zu restaurieren. Dieses Mal aber richtig und für die Ewigkeit.

Es begann mit einer Komplettzerlegung und das ist wörtlich zu nehmen. Steffen beließ keine einzige Schraube an ihrem Platz. Erfahrungsgemäß bereitete die Sanierung des Häuschens die meiste Arbeit.

Alle Hohlräume wurden geöffnet, sandgestrahlt, marode Bleche ausschließlich durch NOS Blechteile ersetzt. (NOS = New Old Stock = Neue Originalersatzteile)

Man kann sich vorstellen, wie einige Blechpartien nach nunmehr 45 Jahren aussahen, jedoch war die generelle Substanz besser als erwartet. Für die meisten Roststellen reichte partieller Ersatz, für den Steffen so manches NOS-Blech zerschnitt.

Steffens Ziel war es, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten.

Eine Vorgehensweise, die sich in den letzten Jahren in der Oldtimerszene immer mehr durchsetzt. Einen Komplettersatz gab es daher nur bei den beiden Türen, links NOS, rechts eine rostfreie aus Kalifonien. 

 

Die Bodengruppe bekam 2 neue Bodenhälften, damit waren die Blecharbeiten abgeschlossen.

Selbstredend sorgte Steffen für eine möglichst rostfreie Zukunft, indem er alle Schweißnähte verzinnte, alle Hohlräume mit Fluid Film und Mike Sanders Fett versiegelte.

 

 

 

  

 

Auch technisch wurde jetzt zeitgemäß aufgerüstet. Natürlich wurde am Fahrgestell und dem Vorderachskörper alles durch hochwertige Neuteile ersetzt, darüber hinaus wurde vorne auf eine innenbelüftete Scheibenbremse von Kerscher umgebaut, auf 2 Kreis umgestellt sowie hintere Radbremszylinder vom Porsche 924 verbaut. 

Das alte Getriebe wich einem verstärktem Rancho Schräglenkergetriebe, da die Motorleistung weiter angehoben werden sollte. Als i-Tüpfelchen gab es dann einen Satz echte Deep Six Fuchsfelgen von Porsche aus den 60er Jahren, vorne in 6x15 mit Hump, bestückt mit 175/65er Reifen, hinten 6x15 ohne Hump mit 195/65er Reifen von Continental mit Schlauch.

Die Felgen wurden komplett aufgearbeitet, der Stern original seidenmatt schwarz lackiert, der Außenrand poliert. Als Krönung der Restaurierung gönnte Steffen sich dann einen 2,2l Typ 1 Motor der Firma Orratech. Hier wurde nicht am falschen Ende gespart, sondern ein Augenmerk auf Langlebigkeit und Standfestigkeit gelegt.

Basis des Motors ist ein neues AS41 Alugehäuse bestückt mit bearbeiteten 044er Köpfen, AA Performance 94 mm Kolben, erleichtertem Schwungrad, zusammen mit der Kurbelwelle feingewuchtet.

Dazu passend eine Engle W-125 Nockenwelle. In den Köpfen arbeiten nun leichte Stößel, härtere Ventilfedern, leichte Ventile, EV 40 mm - AV 35,5 mm.

Komplettiert mit einer elektrischen Benzinpumpe von Pierburg mit Relais, einer 1-2-3 Ignition, einer blauen Bosch Zündspule, einem externen Ölfilter und einer Frontölkühlung hinter der Vorderachse.

Selbstredend wurden auch hier am Motor ausschließlich Neuteile verwendet.

 

Bei soviel Feinheiten für die Technik, durfte der Aufbau auch nicht mehr zu kurz kommen. Eine erneute Komplettlackierung in indigoblau, der Austausch aller Chromteile, neue Trittbretter, neue Scheinwerfer sowie komplett neue Dichtungen.

Da bei soviel Perfektion selbstverständlich keine 45 Jahre alten Leitungen und Kabel wieder verwendet werden, gönnte sich Steffen hier einen komplett neuen Kabelbaum verbunden mit der Umrüstung auf 12V.

 

 

Das Faltdach wurde vollständig zerlegt und mit Sonnenlandstoff neu bezogen.

Die Sitze und Seitenverkleidungen wurden mit schwarzem Kunstleder neu eingekleidet, dazu ein frischer Teppichsatz verlegt.

Ein Holzlenkrad von Nardi rundete dann das edle neue Erscheinungsbild passend ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

Was sich mal eben so schnell liest, bedeutete dann geschlagene 3 Jahre Freizeitarbeit, natürlich auch, wie bei allen Restaurierungen, mit Höhen und Tiefen verbunden.

Und, gefragt, was das Ganze letztendlich gekostet hat, wird Steffen antworten : Zuviel !

Aber das war es wert. Denn die Gewissheit, nach 26 Jahren immer noch sein 1. Auto zu besitzen, dazu noch in einem „besser als neu“ Zustand , ist mit Geld eigentlich nicht zu bezahlen.

Und das schöne Gefühl, morgens in die Garage zu kommen, und zu wissen, da steht ein treuer Kamerad, auf den man sich verlassen kann und nicht ein seelenloser XYZ-Neuwagen, das ist es doch, was dieses Hobby letztlich so liebenswert macht.

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